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ajtys - 19. Apr, 06:36
Im Südfenster war immer Winter, Jahre schlichen vorbei, strichen entlang der Läden, klopften an den Rahmen, fragten flüsternd die Katze: Wohnt sie noch hier? Im Nordfenster war immer Winter, Schneegänse hinterließen Notizen: Lebst Du noch? und zogen besorgt weiter, bis die über-, über-, übernächste Generation vergaß vorbeizuschauen auf ihrem Weg. Die Fenster bargen den Winter, schlossen ihn behutsam von Hitze und sommerlichem Treiben im August. Im Westfenster, selten nur, schaute der Herbst vorbei für kurze Teestunden mit dem Freund im Asyl, und im Osten der Frühling ward lange nicht gesehen. Doch er zählte die Jahre in tiefen Kerben seines Rahmens. Bei jeder neuen Kerbe putzte er die Scheiben und einmal gar wollte der Mai ungestüm hereinbrechen, huschte durch einen Spalt und verfing sich im alten Fliegennetz, zerriss das Weben. Ich sehe Dich nicht, sagte der Winter, als er ihn befreite . (TheSource) |
in den straßen an augenfingern die ahnengalerie deiner abwesenheiten in abzählreime gießen: (oder sind's die fenster |